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Menschen werden zur digitalen Teilhabe befähigt.
Kommentar von Lena-Sophie Müller, D21

Digitale Souveränität: Mehr als eine Frage der Infrastruktur

Digitale Souveränität beginnt bei den Menschen. Doch laut D21-Digital-Index verfügen nur 49 Prozent der Bevölkerung über grundlegende digitale Kompetenzen. Lena Sophie Müller erklärt im Cassini-Magazin "Context", warum digitale Bildung eine Gerechtigkeitsfrage ist und warum echte Souveränität erst entsteht, wenn Bürgerinnen und Bürger digitale Entwicklungen verstehen und mitgestalten können.

"Context" ist zum Zukunftskongress Staat & Verwaltung 2026 erschienen. In Interviews, Kommentaren und Fachbeiträgen machen Verantwortungsträger:innen auf Bundes- und Landesebene sowie Cassini-Beratende ihre Perspektiven auf das vielschichtige Thema Digitale Souveränität deutlich.

Wenn über digitale Souveränität diskutiert wird, dreht sich das Gespräch meistens sehr schnell um Infrastruktur und Geopolitik: Wo liegen unsere Daten? Welche Cloud-Anbieter nutzt die öffentliche Verwaltung? Wer kontrolliert eigentlich die digitalen Plattformen, auf die wir täglich angewiesen sind? Das sind berechtigte, wichtige Fragen. Und doch erzählen sie nur einen Teil der Geschichte.

Digitale Souveränität hat auch eine individuelle und gesellschaftliche Perspektive. Was nützt ein strategisch gut aufgestellter Staat im digitalen Raum, wenn seine Bürgerinnen und Bürger die Entwicklungen weder einordnen noch mitgestalten können? Individuell digital souverän zu sein bedeutet: Ich verstehe, was um mich herum passiert. Ich kann Informationen hinterfragen, digitale Werkzeuge selbstbestimmt nutzen und ich merke, wann mir Sand in die Augen gestreut wird.

Dass wir davon noch weit entfernt sind, zeigt unser D21-Digital-Index Jahr für Jahr. Nur 49 Prozent der Menschen in Deutschland verfügen über grundlegende digitale Kompetenzen. Wer das für verkraftbar hält, unterschätzt, was gerade passiert. Die KI-Transformation schreitet nicht gleichmäßig voran – sie beschleunigt. Und wer einmal abgehängt ist, muss nicht nur aufholen, sondern einem sich ständig bewegenden Ziel hinterherlaufen.

Was mich dabei am meisten beschäftigt: Diese Lücke trifft nicht alle gleich. Menschen mit wenig Einkommen, Ältere und Frauen laufen besonders Gefahr, den Anschluss zu verlieren. Das ist keine Randnotiz, das ist eine Gerechtigkeitsfrage. Wer keine Kompetenzen aufbauen kann, weil die Zeit fehlt, das Geld, oder schlicht jemand, der einem dabei hilft, verliert langfristig den Zugang zu Bildung, Arbeit und gesellschaftlicher Teilhabe. Digitale Ausgrenzung ist keine abstrakte Gefahr – sie passiert gerade, jeden Tag.

Mit der altersübergreifenden digitalen Kompetenzoffensive der Bundesregierung soll Menschen ein souveräner, sicherer und kritischer Umgang mit digitalen Werkzeugen und Medien ermöglicht werden. Ein von der Initiative D21 lange Zeit geforderter Ansatz. Er ist wichtig und richtig, um die individuelle digitale Souveränität der Menschen zu fördern. Denn Deepfakes erkennen, Datenspuren verstehen, KI-Anwendungen kritisch einsetzen: Das sind keine Spezialthemen für Technikbegeisterte. Das ist die Grundvoraussetzung für Mündigkeit in einer Gesellschaft, die zunehmend digital funktioniert.

Digitale Souveränität endet nicht bei Infrastrukturfragen. Sie beginnt bei den Menschen.

#FACT: Der Bericht 2024/25 betont unter anderem die Notwendigkeit einer umfassenden Offensive im Bereich digitaler Kompetenzen. Während sich die Europäische Kommission das Ziel gesetzt hat, 80 Prozent der Bevölkerung bis 2030 mit digitalen Basiskompetenzen auszustatten, verfügen in Deutschland derzeit lediglich 49 Prozent über grundlegende digitale Fähigkeiten.

ZUR PERSON: LENA-SOPHIE MÜLLER gestaltet die digitale Transformation im Zusammenspiel von Politik und Wirtschaft mit Fokus auf gesellschaftlichen Nutzen. Sie ist CEO der Initiative D21, berät Bundesministerien und engagiert sich in Gremien. Zuvor arbeitete sie am Fraunhofer FOKUS in Berlin und leitete dort zahlreiche Verwaltungsmodernisierungs- und E-Government-Projekte mit der Wirtschaft und der öffentlichen Verwaltung auf EU-, Bundes-, Landesund Kommunaleben.

ÜBER D21: Die Initiative D21 ist Deutschlands größtes gemeinnütziges Netzwerk für die digitale Gesellschaft. Es vereint Akteurinnen und Akteure aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Seit 1999 gestaltet D21 die digitale Transformation aktiv, macht Herausforderungen sichtbar und entwickelt konkrete Zukunftslösungen.

Magazin Context

Digital Souveränität: Die neue Unabhängigkeit? / PDF, 9,77 MB

Jetzt downloaden

Ihr Ansprechpartner zur Digitalen Souveränität:

Jan-Lars Bey, Senior Parter Cassini
Jan-Lars Bey

Vorstand Cassini Consulting

Jan-Lars Bey ist seit 2017 Mitglied des Partnerboards der Cassini Consulting und verantwortet seit 2026 als Chief Business Officer (CBO) das operative Beratungsgeschäft. Der Diplom-Medieninformatiker kam 2014 zu Cassini. Sein unternehmerischer Schwerpunkt liegt im Aufbau und in der nachhaltigen Entwicklung von Märkten und Organisationen. Darüber hinaus ist Bey Vorstandsmitglied der Initiative D21, einem gemeinnützigen Netzwerk für die Digitale Gesellschaft.


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+49 30 - 26479624

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