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Data Center Logistics
Hyperscaler bauen neue Rechenzentren

Data Center Logistics: Cassinis Beitrag zu einem neuen Wachstumsmarkt

Text: Cassini Redaktion

Für den Ausbau von KI braucht es Modelle, Chips, Software – und eine leistungsstarke Logistik. Denn jedes neue Hyperscale-Rechenzentrum ist ein global koordiniertes Infrastrukturprojekt. Server, GPUs, Netzwerktechnik, Kühlsysteme, Stromversorgung und komplette Rack-Systeme müssen sicher, schnell und exakt zum richtigen Zeitpunkt an den Einsatzort gelangen. Unternehmen wie Google, Meta, Microsoft, Amazon und Oracle investieren massiv in neue Kapazitäten, um die steigende Nachfrage nach Cloud-Diensten und KI-Anwendungen zu bedienen. Für Logistikdienstleister entsteht daraus ein neuer, hochspezialisierter Markt: Data Center Logistics. Cassini unterstützt dabei, diesen Markt strukturiert, skalierbar und systemseitig beherrschbar zu adressieren.

Die Zahlen machen die Dimensionen deutlich: Laut International Energy Agency* verbrauchten Rechenzentren 2024 weltweit rund 415 Terawattstunden Strom, etwa 1,5 Prozent des globalen Stromverbrauchs. In den vergangenen fünf Jahren ist dieser Verbrauch um durchschnittlich 12 Prozent pro Jahr gestiegen. Bis 2030 könnte sich der Stromverbrauch von Rechenzentren im Basisszenario der IEA auf rund 945 Terawattstunden mehr als verdoppeln. McKinsey** erwartet zudem, dass sich der weltweite Kapazitätsbedarf für KI- und Nicht-KI-Workloads bis 2030 nahezu verdreifachen könnte. KI-Kapazitäten könnten dabei um den Faktor 3,5 steigen und rund 70 Prozent des Gesamtbedarfs ausmachen. Auch die Investitionen der großen Hyperscaler zeigen die Dynamik: CreditSights*** schätzt die CapEx der fünf führenden Hyperscaler für 2026 auf rund 602 Milliarden US-Dollar, davon etwa 75 Prozent für KI-bezogene Infrastruktur.

Damit rücken Komponenten in den Mittelpunkt, die nicht nur teuer, sondern auch hochsensibel und zeitkritisch sind. Sie müssen transportiert, gelagert, vormontiert, platziert und je nach Serviceumfang für die Inbetriebnahme vorbereitet werden. Oft über Ländergrenzen hinweg und unter engen Sicherheits- und Projektvorgaben. In dieser Welt kann eine verspätete Lieferung weitaus gravierende Folgen als ein logistischer Mehraufwand haben: Sie kann Baupläne verschieben, verfügbare Rechenleistung verzögern und Investitionen in Milliardenhöhe ausbremsen.

Kurz erklärt: Was ist ein Hyperscale-Rechenzentrum?

Hyperscaler sind große Cloud-Anbieter wie Amazon Web Services, Microsoft Azure oder Google Cloud. Sie stellen weltweit IT-Ressourcen wie Rechenleistung, Speicherplatz und Anwendungen in sehr großem Maßstab bereit. Ein Hyperscale-Rechenzentrum ist die dafür benötigte Infrastruktur: besonders groß, leistungsfähig und darauf ausgelegt, enorme Datenmengen schnell und zuverlässig zu verarbeiten. Durch eine hochoptimierte Netzwerkarchitektur, leistungsstarke Verbindungen und geringe Latenzzeiten können IT-Ressourcen flexibel erweitert oder reduziert werden, je nachdem, wie stark sie gerade nachgefragt werden. Damit bilden Hyperscale-Rechenzentren die technische Grundlage vieler digitaler Anwendungen: von Künstlicher Intelligenz über Automatisierung und Datenanalyse bis hin zu Cloud-Speicherung, Streaming, Plattformdiensten und datenintensiven Geschäftsprozessen. Je stärker das weltweite Datenaufkommen wächst, desto wichtiger werden diese Rechenzentren als Rückgrat digitaler Infrastruktur.

Besondere Anforderungen an die Logistik

Die Lieferketten hinter modernen Rechenzentren unterscheiden sich grundlegend von traditionellen Logistikmodellen. Es geht nicht mehr nur darum, Komponenten von A nach B zu bewegen oder zwischenzulagern. Gefragt ist die koordinierte Steuerung komplexer Infrastrukturprojekte, bei denen Zeitfenster, Sicherheit, Transparenz und technische Präzision reibungslos ineinandergreifen.

Data Center Logistics umfasst deshalb ein breites Spektrum spezialisierter Leistungen:

• hochsichere Lager- und Transportprozesse

• sensibles Spezialhandling

• technische Services wie Rack Assembly und Testing

• Echtzeit-Transparenz über globale Materialflüsse

• zeitkritische Anlieferungen

• Multi-Region-Rollouts

• resiliente Lieferketten in einem geopolitisch und wirtschaftlich volatilen Umfeld

• logistische Standort- und Netzwerkbewertung für Data-Center-Rollouts

• Construction Logistics beim Bau und Ausbau neuer und bestehender Rechenzentren

Construction Logistics bezeichnet dabei die logistische Steuerung von Materialflüssen, Anlieferfenstern, Lagerflächen und Schnittstellen während Bau- und Ausbauprojekten. Gerade bei Rechenzentren ist diese Steuerung entscheidend, weil viele Gewerke, technische Komponenten und Projektmeilensteine präzise aufeinander abgestimmt werden müssen.

Kurz erklärt:

Was ist ein Server-Rack?

Ein Server-Rack ist ein standardisierter Metallrahmen, in dem mehrere IT-Komponenten wie Server, Speicher und Netzwerkgeräte platzsparend übereinander eingebaut werden. Es sorgt für Ordnung, einfache Wartung, effiziente Kühlung und strukturierte Stromversorgung im Rechenzentrum. Moderne Racks sind häufig bereits vorkonfiguriert und enthalten komplette, betriebsbereite Systeme. Deshalb steigen die Anforderungen an Transport, Lagerung und Handling: Statt einzelner Komponenten werden zunehmend hochintegrierte Rack-Systeme bewegt, die besonders wertvoll, empfindlich und eng mit Bau- und Inbetriebnahmeplänen verknüpft sind.

Was sind White-Glove-Services?

White-Glove-Services bezeichnet eine besonders sorgfältige, gesicherte und koordinierte Lieferung sensibler oder hochwertiger IT-Ausrüstung bis an den vorgesehenen Einsatzort im Data Center. Sie umfasst je nach Service Level das geschützte Entladen, Auspacken, Bewegen, Platzieren und Installieren von Equipment, einschließlich Zugangskontrolle, Spezialhandling, Dokumentation und Nachweis der ordnungsgemäßen Übergabe.

Vom Einzelprojekt zur standardisierten Lösung

Eine der größten Herausforderungen besteht darin, globale Infrastrukturprojekte schnell und gleichzeitig standardisiert umzusetzen. Viele Logistiklösungen entstehen heute noch weitgehend individuell: Anforderungen werden neu analysiert, Prozesse neu definiert und IT-Systeme projektbezogen zusammengestellt – selbst bei ähnlichen Ausgangssituationen.

Im Rahmen eines Projekts für einen internationalen Logistikdienstleister hat Cassini deshalb dabei unterstützt, typische Data-Center-Szenarien systematisch zu strukturieren und wiederverwendbare Lösungsbausteine zu entwickeln. Der Ansatz: Statt jede Ausschreibung vollständig neu zu entwerfen, werden standardisierte Referenzarchitekturen und modulare Capability-Modelle aufgebaut, die flexibel auf unterschiedliche Kunden- und Regionsanforderungen übertragen werden können.

Der Vergleich mit einem komplexen LEGO-Gebäude macht diese Logik greifbar: Damit ein Rechenzentrum schnell, sicher und skalierbar entsteht, muss klar sein, welche Bausteine benötigt werden, wie sie zusammenspielen, in welcher Reihenfolge sie eingesetzt werden und welche Systeme sie unterstützen. Genau diese Struktur hat Cassini für den Logistikdienstleister erarbeitet. Grundlage waren typische Anforderungen großer Cloud- und Hyperscale-Betreiber aus RFPs und RFQs. Im Fokus stand die Frage: Welche Leistungen werden im Markt nachgefragt, was bedeuten sie konkret und wie lassen sie sich operativ sowie systemseitig abbilden?

Daraus entstand ein wiederverwendbares Capability-Modell für Data Center Logistics. Eine Capability beschreibt eine klar abgegrenzte Fähigkeit, die eine Organisation zuverlässig anbieten und erbringen kann. Einfach gesagt: Sie beantwortet die Frage, was ein Logistikdienstleister können muss, um eine bestimmte Anforderung eines Hyperscalers zu erfüllen. Im Sinne der Business-Architektur beschreibt eine Capability nicht die einzelne Aufgabe, sondern die zugrunde liegende Fähigkeit einer Organisation. Diese Fähigkeit entsteht durch das Zusammenspiel von Prozessen, Rollen, Informationen, IT-Systemen und operativen Ressourcen.

Interview: "Entscheidend ist, gemeinsam mit dem Kunden Lösungen zu entwickeln, die skalierbar und praktisch umsetzbar sind"

Im Rahmen des Projekts unterstützte Cassini dabei, Leistungen, Prozesse und passende IT-Systeme für Data Center Logistics strukturiert zusammenzuführen. Teil des Projektteams waren unter anderem Lisa Korte und Son Do. Im Interview sprechen sie darüber, welchen Ansatz sie verfolgt haben, worin die größte Herausforderung bestand und welche Erkenntnisse aus dem Projekt besonders relevant waren.

Welche Aufgabenstellung hatte Cassini im Projekt?

Rund um Rechenzentren, Cloud und KI-Infrastruktur entwickelt sich derzeit ein Markt mit sehr spezifischen Anforderungen an Logistik und IT. Für den Aufbau dieser globalen Infrastruktur braucht es spezialisierte Services, belastbare Prozesse und hochintegrierte IT-Landschaften. Unsere Aufgabe bestand darin, einen internationalen Logistikdienstleister dabei zu unterstützen, dieses Marktumfeld strukturiert und skalierbar zu adressieren. Konkret ging es um zwei Themen. Zum einen sollten typische Leistungen entlang der Wertschöpfungskette identifiziert und strukturiert werden, beispielsweise Transport, Lagerung, sensibles Spezialhandling, Vormontage oder technische Leistungen wie Rack Assembly. Zum anderen stand die Frage im Mittelpunkt, wie sich diese Leistungen schneller, standardisierter und global konsistent anbieten und implementieren lassen. Dafür mussten bestehende Prozesse, Business Capabilities und IT-Systeme aus unterschiedlichen Regionen und Geschäftsbereichen analysiert und in wiederverwendbare Referenzarchitekturen überführt werden.

Welchen Ansatz habt ihr dabei verfolgt?

Data Center Logistics erfordert das Zusammenspiel vieler spezialisierter IT-Systeme. In einzelnen Szenarien mussten mehr als 30 Systeme berücksichtigt werden. Einige davon sind Standardlösungen, etwa für Abrechnung oder Workforce Management. Je nach Use Case kommen jedoch zusätzliche Anforderungen hinzu, beispielsweise für sensibles Spezialhandling, technische Services oder globale Echtzeit-Transparenz. Deshalb haben wir mit modularen Blueprints gearbeitet: standardisierte Lösungsbausteine für typische Szenarien wie Transport, Vormontage oder Installation von Server-Racks. Wenn ein Kunde beispielsweise möchte, dass Komponenten eines Rack-Systems weltweit konsolidiert, vormontiert und zeitkritisch an einen Rechenzentrumsstandort geliefert werden, kann der Logistikdienstleister auf bestehende Referenzarchitekturen und validierte Lösungsansätze zurückgreifen. Der Vorteil ist, dass man nicht jedes Projekt bei null startet, sondern auf bestehenden Erfahrungen, Prozessen und IT-Bausteinen aufbaut. Dadurch lassen sich Ausschreibungen schneller bearbeiten, Risiken reduzieren und globale Rollouts effizienter umsetzen.

Was war die größte Herausforderung?

Die größte Herausforderung bestand darin, unterschiedliche Anforderungen, Prozesse und regionale Gegebenheiten in einem sehr dynamischen Marktumfeld zusammenzuführen. Da sich der Markt für Data Center Logistics derzeit mit hoher Geschwindigkeit entwickelt, existieren viele Standards und Betriebsmodelle noch nicht in vollständig etablierter Form. Gleichzeitig müssen globale Infrastrukturprojekte bereits heute unter hohem Zeitdruck umgesetzt werden. Unsere Aufgabe bestand deshalb vor allem darin, bestehende Informationen, Erfahrungen und Anforderungen aus unterschiedlichen Bereichen und Regionen strukturiert zusammenzuführen und daraus belastbare, wiederverwendbare Lösungsansätze abzuleiten.

Welche Rolle spielte KI?

KI spielte vor allem als Strukturierungs- und Analysebeschleuniger eine zentrale Rolle. Im Kern ging es um Content Engineering, also darum, vorhandene Informationen so aufzubereiten, dass sie strukturiert analysiert, verknüpft und wiederverwendet werden können. Vorhandene Dokumente, Workshop-Transkripte, Interviewinhalte und Kundenanforderungen wurden systematisch aufbereitet, harmonisiert und miteinander verbunden. Dafür haben wir einen eigenen AI-Harness aufgebaut, also eine projektspezifische KI-Arbeitsumgebung, die auf den bereitgestellten Dokumenten, Workshop-Ergebnissen und unserem fachlichen Modellierungswissen basiert. Dieser Harness unterstützt dabei, verstreutes Wissen schneller auffindbar zu machen, Inhalte zu clustern und erste Entwürfe für Capability-Modelle, Business Requirements und Architekturbausteine abzuleiten. Der Mehrwert lag nicht darin, Expertenwissen zu ersetzen, sondern es gezielt zu hebeln. KI half, große Informationsmengen schneller zu strukturieren, Muster zu erkennen und Inkonsistenzen sichtbar zu machen. Die finale fachliche Bewertung, Priorisierung und Validierung blieben weiterhin Aufgabe der Fachexperten.

Was war eure wichtigste Erkenntnis aus dem Projekt?

Für uns war die wichtigste Erkenntnis, dass es in neuen Märkten kein fertiges und erprobtes Wissen gibt. Gerade im Umfeld von Data Center Logistics entstehen viele Standards und Prozesse erst. Das bedeutet, man muss sich Strukturen oft gemeinsam erarbeiten, Hypothesen bilden und iterativ vorgehen. Gleichzeitig hat das Projekt gezeigt, wie wichtig unterschiedliche Perspektiven und Expertisen sind. Erst durch die enge Zusammenarbeit von Business, Operations, IT und Architektur entsteht ein Gesamtbild, aus dem belastbare Lösungen entwickelt werden können. Uns ist dabei noch einmal klar geworden: Es geht weniger darum, von Anfang an auf jede Frage die perfekte Antwort zu haben. Entscheidend ist vielmehr, schnell die richtigen Impulse zu setzen und gemeinsam mit dem Kunden Lösungen zu entwickeln, die skalierbar und praktisch umsetzbar sind.

Quellenangaben: 

*https://www.iea.org/reports/energy-and-ai/energy-demand-from-ai

**https://www.mckinsey.com/featured-insights/week-in-charts/data-center-demands

***https://know.creditsights.com/insights/technology-hyperscaler-capex-2026-estimates/

Lisa Korte
Lisa Korte

Management Consultant

Lisa Korte begleitet Unternehmen bei der strategischen Weiterentwicklung ihrer Logistik- und Supply-Chain-Organisation. Ihr Fokus liegt auf der Gestaltung effizienter Prozesse, der Ableitung zukunftsfähiger Zielbilder und der erfolgreichen Umsetzung von Transformations- und Digitalisierungsinitiativen. Mit einem klaren Verständnis für die Schnittstelle zwischen Fachbereich und IT unterstützt sie Organisationen dabei, nachhaltige Strukturen zu schaffen und ihre Logistik langfristig leistungsfähig und wettbewerbsfähig auszurichten.


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Son Do
Son Do

Associate Consultant

Son Do verbindet Logistik- und Supply-Chain-Erfahrung mit starker Daten- und KI-Kompetenz. Sein Fokus liegt auf datengetriebener Prozessoptimierung, Automatisierung und dem Aufbau skalierbarer Lösungen für operative und strategische Logistikfragestellungen. An der Schnittstelle zwischen Fachbereich und IT unterstützt er Unternehmen dabei, Daten nutzbar zu machen, manuelle Abläufe zu reduzieren und fundierte Entscheidungsgrundlagen zu schaffen. Seine Erfahrung reicht von Forecasting und BI-Dashboards über RPA- und Low-Code-Automatisierung bis hin zu KI-gestützten Wissens- und Analyseagenten für Logistik- und Transformationsprozesse.


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