
Marketing und Vertrieb sind die Funktionen im Unternehmen, deren grundsätzliche Aufgabe darin besteht, Produkte und Dienstleistungen für den Absatz am Markt optimal zu gestalten („Marketing“) und die Verbindungen zum Käufer zu schaffen („Vertrieb“). Diese Aufgaben sind in der Theorie sehr nahe beieinander und dennoch funktioniert die Zusammenarbeit zwischen diesen Bereichen in vielen Unternehmen überraschend schlecht.
Im Jahr 2008 fand Philip Kotler in einem vielbeachteten Artikel im Harvard Business Manager einen passenden Vergleich für die Beziehung zwischen den Vertriebs- und Marketing-Teams, die in vielen Unternehmen herrscht: Die beiden Bereiche seien wie die beiden Familienclans von Romeo und Julia aus Shakespeares gleichnamiger Tragödie.
Doch woher kommen diese latenten Konflikte, die den sonst so nüchternen Marketing Guru Philip Kotler zu diesem drastischen Vergleich gebracht haben und die sich in der unternehmerischen Praxis so häufig zeigen?
Und vor allem, wie kann die Dissonanz, die sich über Jahre hinweg gebildet hat, überwunden werden?
Dafür ist es wichtig, die Gründe zu verstehen, warum es zwischen den Lagern oft an gegenseitigem Verständnis/Vertrauen fehlt. Diese sind so vielfältig, wie die zugrundeliegenden Rahmenbedingungen im Markt und in den Unternehmen.
Auch wenn wir keine pauschale Aussage treffen wollen, stellt sich uns die Frage, warum es so wichtig ist, die Zusammenarbeit dieser beiden Abteilungen zu stärken und wieso dies gerade in der aktuellen Lage von großer Bedeutung ist.
Das zentrale Stichwort ist die Customer Journey: Denn nur wenn sich (potentielle) Kunden verstanden fühlen und die für sie notwendigen Informationen erhalten, ist ein erfolgreicher Geschäftsabschluss/Abverkauf möglich.
Eine Studie von SiriusDecisions 2021 zeigt, dass 81 Prozent der heutigen Käufer und Käuferinnen eine Entscheidung eher basierend auf ihrer Kauferfahrung treffen, als aufgrund des Produkts oder des Preises. Und dies gilt nicht nur für den Endkunden, sondern auch im B2B Bereich.
Die Customer Journey ist also eine abteilungsübergreifende Aufgabe - und zwar in erster Linie zwischen Marketing und Vertrieb. Und einer Verbesserung dieser Zusammenarbeit ist im Moment wichtiger denn je. Durch die Pandemie waren und sind die meisten Unternehmen direkt betroffen. Plötzlich ist die digitale Neukundenakquise nicht mehr eines von vielen Themen, sondern hat höchste Priorität, denn bisweilen war der digitale Kundenzugang der einzig verfügbare.
Zudem hat die Digitalisierung die Customer Journey unwiderruflich verändert. Bei digitaler Kontaktaufnahme wird die Suchmaschine bemüht: 73 % der Kunden informieren sich online über die Produkte, bevor sie Kontakt zum Anbieter aufnehmen. Und überraschenderweise umfasste die Befragung Unternehmen im Bereich B2C wie B2B.
Wird man also digital nicht gefunden, existiert man nicht mehr!
Käufer und Käuferinnen bzw. Entscheider und Entscheiderinnen überzeugen sich mit Hilfe des Contents auf den Webseiten der Anbieter, bevor ein Termin mit einem Vertriebsmitarbeiter vereinbart wird. Die Proaktivität der Kunden hat somit zugenommen. Aufgrund des geänderten Nutzerverhalten müssen sich also auch Marketing und der Vertrieb insbesondere in Ihrer Zusammenarbeit ändern.
Ein potenzieller Kunde hat an einem Webinar teilgenommen. Seine Daten befinden sich nun in einer E-Mail-Kampagne, die von der Marketing-Abteilung betreut wird. Das Ziel dieser Kampagne ist es, den potenziellen Kunden zu gewinnen. Leider erfolgte keinerlei Update an den Vertrieb über die Aktivitäten des Kunden. Aufgrund des fehlenden Datenabgleiches zwischen Marketing und Vertrieb wurde der Interessent zeitgleich zur E-Mail-Kampagne mehrfach vom Vertrieb persönlich kontaktiert.
Durch das fehlende Zusammenspiel wirkte das Unternehmen chaotisch und im schlimmsten Fall springt der Interessent ab. Dieses Beispiel wiederholt sich in vielen Unternehmen täglich in unterschiedlichen Bereichen und hat signifikante Folgen auf verschiedenen Ebenen:
Es wird daher Zeit in Ergebnissen zu denken. Aus Marketing und Vertrieb wird das Customer Journey Team!
In der Tat geht es dabei nicht darum, Marketing oder Vertrieb einander unter- oder überzuordnen, sondern gemeinschaftlich den Markt oder Marktsegmente zu bearbeiten. Der Aufbau einer solchen Einheit aus Vertrieb und Marketingexperten erfolgt dabei in den folgenden Schritten:
Unter der Berücksichtig der oben genannten Aspekte könnte ein integrierter Prozess wie folgt aussehen:
Was sind die Ergebnisse einer solchen Änderung der Aufbau- und Ablauforganisation und der entsprechenden Zielsysteme? Aufgrund der nun veränderten Organisationsform gewinnt die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Marketing und Vertrieb stärker an Bedeutung. Aus jedem Bereich der Kundengewinnung fallen Daten und Wissen an, die zentralisiert abgelegt werden müssen. Um die Komplexität der Customer Journey abdecken zu können, wird die IT-Infrastruktur zu einem wesentlichen Erfolgsfaktor. Die Verarbeitung der Erkenntnisse, die die potentiellen Kunden und Kundinnen während Ihrer Journey hinterlassen, müssen gesammelt, analysiert und bewertet werden. (Hinweis: Behalten Sie hierbei jedoch immer auch den Datenschutz im Blick!)
Die Customer Journey hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Besonders die Digitalisierung und die damit einhergehenden Vielzahl an Toupoints und Möglichkeiten für einen Kunden/eine Kundin mit Unternehmen in Kontakt zu kommen, ist die Customer Journey nicht mehr wegzudenken.
Zu wissen, welche Wege online genutzt werden, hilft dem Dreamteam dabei, die nötigen Maßnahmen gezielt auf die zielgruppenspezifischen Chanels zu konzentrieren.
Der große Vorteil der digitalen Welt besteht darin, dass durch die Datenanalyse die Werbewirkung jedes einzelnen Channels (Attribution) nachvollzogen werden kann. Zum einen lassen sich Aktivitäten im Online-Marketing flexibel und zielgruppengenau exakt steuern.
