
Die Aktualität der Bestrebung Kommunen, Länder und den Bund zunehmend zu digitalisieren zeigt mustergültig - der Staat reagiert dynamisch auf die aktuellen Notwendigkeiten Bürgerangebote zu digitalisieren. Dabei steigen auch die Anzahl, der Umfang sowie die Komplexität der IT-Projekte. Ob es an den vielzähligen Stakeholdern oder an den politisch wandelnden Anforderungen liegt: Nutzen wir die Chance, mehr Agilität im Rahmen etablierter Standards zu wagen.
Nicht zum ersten Mal in der Geschichte fördern Krisen technologischen Fortschritt. Zudem sind Bund, Länder sowie Kommunen bereits seit 2017 dazu verpflichtet, ihre Verwaltungsdienstleistungen bis 2022 auf digitalem Wege bereitzustellen. Dazu gehört die vermehrte und weiterhin sukzessiv steigende Genese von IT-Projekten und deren Budgetbindung. Derweil wächst die Komplexität ebendieser Projekte, die zunehmend tiefgreifende Digitalisierungen gewohnter Strukturen forcieren. Hierbei ist die Verbindung bewährter Standards mit agilen Methoden von Vorteil.
Die Rede ist von „Hybridem Projektmanagement“, also von der Kombination zweier oder mehrerer Projektmanagementmethodiken. In diesem Artikel ganz präzise: Klassisches & Agiles Projektmanagement miteinander vereint.
Die Erfolgsquote der Integration agiler Methoden wird gemäß Chaos-Report (in dem 10.000 Projekte evaluiert wurden) gegenüber klassischen Projekten höher bewertet. Demnach liegt die Erfolgsquote agiler Projekte ca. 20 % höher. Je größer das Projekt ist, desto ausgeprägter ist dieser Unterschied feststellbar.
Dafür gibt es Gründe: Agilität verschafft einen Fokus auf die Nutzeranforderungen, reduziert die Produkteinführungszeit und ermöglicht durch die regelmäßigen Feedbackschleifen eine gesteigerte Risikominimierung.
Erfolgreiche klassische Konstrukte wie PRINCE2 oder das V-Modell XT bieten eine gute Ausgangsbasis, um effektiv Projekte zu steuern. Hierbei sind häufig kleine Projekte oder diejenigen, die ein von Beginn an klares Ziel verfolgen, besonders gut geeignet. Allerdings haben rein klassische Projekte teilweise zu lange Auslieferungszeiten ihrer Produkte zu beklagen. Auch kann es vorkommen, dass die Projektergebnisse nicht 100-prozentig auf die Kundenbedürfnisse einzahlen oder das Projektumfeld aufgrund externer Faktoren plötzlich auf den Kopf gestellt wird.
Durch die Berücksichtigung agiler Ansätze lässt sich Innovation auf Knopfdruck implementieren. Zyklische Vorgehensweisen ermöglichen es, regelmäßig an die Kunden auszuliefern und damit nah am und gemeinsam mit dem Kunden ein maßgeschneidertes Produkt zu kreieren. Wenn das Projektumfeld Umwälzungen unterliegt, kann zeitnah gegengesteuert und umgeplant werden.
Der positive Einfluss auf die Projektergebnisse ist weitaus höher als die dafür benötigten Einführungsaufwände. Es gibt einfach umzusetzende Teilschritte in Richtung Agilität, wie beispielsweise das tägliche Daily-Meeting, das gewissermaßen die niedrigste Frucht am Baum der Agilität darstellt. Auch lassen sich typisch klassische Elemente, wie ein Lastenheft, gut mit der Agilität verheiraten: Ein agiles Lastenheft.
Agile Methoden zeichnen sich insbesondere durch schnelle Teilerfolge, flexible Reaktionsfähigkeit, kürzere Feedbackzyklen sowie der agilitäts-immanenten flachen Hierarchien aus. Aufgrund dessen sind sie in der Lage, den öffentlichen Hürden angemessen zu begegnen und indessen den Erfolg von Projekten in der öffentlichen Verwaltung maßgeblich und langfristig zu steigern.
Zusammenfassend lässt sich demnach konkludieren, dass insbesondere Kommunikations- und Transparenz-Zugewinne auf Basis der kurzen Iterationen und Regelmeetings einen bedeutsamen Vorteil bilden. Durch bereits kleine Änderungen – wie bspw. der Einführung einer monatlichen Retrospektive zur Projektoptimierung – lassen sich bereits maßgebende Einwirkungen feststellen, wodurch Teil-Agilisierungen einen sog. Leverage-Effekt erzeugen: kleine Veränderung führt zu großen Ausschlägen.
So können Teams im operativen Umfeld agil agieren und das Project Management Office, das Programm-Management oder der Lenkungsausschuss weiterhin klassisch operieren. Organisationen sollten daher immer individuell entscheiden, welche Methoden und Techniken sich am besten für ein Projekt eignen. Nur so lassen sich die gewünschten Ziele im Team auf Dauer erreichen.
Ein hybrides Projektmanagement wird auch dadurch begünstigt, dass es keinen Kulturbruch erzwingt, sondern nach dem Baukasten-Prinzip klassische Strukturen durch methodische Anpassungen auflockern kann. Demnach wird kein „agiler Fanatismus“ in eine Organisation hereinoktroyiert. Es wird stattdessen eine auf die Organisation zugeschnittene sukzessive Heranführung an ausgewählte hybride Ausgestaltungsformen praktiziert.
Allerdings ist ebenfalls festzuhalten, dass die Rahmenbedingungen für die Anwendung agiler Methoden in der öffentlichen Verwaltung nicht immer optimal sind. Häufig existieren in den Rechenzentren zu langwierige Prozesse, wodurch die Produktivsetzung nach den einzelnen Sprintzyklen erschwert wird. Des Weiteren werden den Verantwortlichen für die Anforderungen in einigen Fällen unzureichende Entscheidungskompetenzen eingeräumt oder die behördeninternen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden nicht im zeitlich ausreichenden Maße für Projekttätigkeiten freigestellt.

Insofern ist eine individuelle Betrachtungsweise von eklatanter Relevanz, um die passgenaue Wahl von agilen Instrumenten zu treffen. Nachstehend werden die niedrig hängenden Früchte der Agilität – also leicht einzuführende Teilschritte – dargestellt:
Sinnvoll sind kundennahe Ansätze, um den mitunter schwierigen Rahmenbedingungen agiler Kontaktpunkte dadurch zu begegnen, dass erfahrene Beraterinnen und Berater die Adaption bewährter agiler Rahmenwerke flexibel an den Gegebenheiten der Organisation ausrichten. Dabei wird auf breites Wissen über agile Methoden gesetzt und die auf den Kunden abgestimmte Individuallösung forciert. So können die Vorteile agiler Projektmanagement-Methoden in Projekten der Öffentlichen Verwaltung optimal zur Wirkung gebracht werden, um die speziellen Herausforderungen zu meistern.
Hybrides Projektmanagement kombiniert klassische Rahmenplanung (Termine, Ressourcen, Meilensteine) mit agilen Vorgehensweisen z. B. Scrum in der eigentlichen Entwicklungsarbeit. Dadurch kann auf der höheren Ebene grob klassisch – als eine Art Überbau – agiert werden und im operativen Geschäft ergänzen agile Arbeitsweisen das iterative Element.
Auf diese Weise lassen sich etwa Meilensteine und Statusmeetings weiterhin einplanen. Aber die Vorteile agiler Arbeitsweisen kommen dennoch zum Tragen.
Gemäß diesem Beispiel kann hybrides Projektmanagement aufgesetzt werden, indem das Projektgerüst wasserfallartig konstruiert wird und die Entwicklungssequenz agil durchgeführt wird. Dabei können auch Meilensteine definiert, mittel- bis langfristige Termine fixiert und gleichzeitig agile Instrumente eingesetzt werden. So können auch agile Produktergebnisse in wasserfalltaugliche Reports übersetzt und agile Zeremonien in klassische Methodik eingebettet werden:
Insgesamt kann durch das hybride Projektmanagement die Kommunikationsquantität und -qualität optimiert werden. Hybrides Projektmanagement führt in Konsequenz zu mehr Austausch, Wissen und Akzeptanz.

Innerhalb dieses Artikels wurde bewusst vermieden, konkreter „die hybride Projektmanagement“-Struktur zu skizzieren, da diese in mustergültiger Form nicht existiert. Jedes klassische Projekt ist dahingehend anpassbar und kann über die Anpassung der organisationalen Project Governance zur Einbettung hybrider Ansätze ertüchtigt werden.
Optimal ist ein übergeordnet implementierter Governance-Ansatz, der einen Methodenbaukasten zur Verfügung stellt, aus dem Projektleitung und (Teil-)Team gemeinsam schöpfen und die für sich optimalen Vorgehensweisen wählen und kombinieren können. Innerhalb von Organisationen sollte daher immer individuell entschieden werden, welche Methoden und Techniken sich am besten für ein Projekt eignen. Nur so lassen sich die gewünschten Ziele im Team auf Dauer erreichen.
Ferner ist es hilfreich, Rollen, Aufgaben und Verantwortlichkeiten zu Beginn festzulegen, um potentiellen Verwirrungen effektiv vorzubeugen. Beispielsweise sind weder Product Owner noch Scrum Master dem Team vorgesetzt; die klassische Projektleitung hingegen schon. Diese Ansätze unterscheiden sich derart diametral voneinander, dass beim Projektaufbau eine konkret formulierte Struktur hilfreich ist.
Es gibt viele Gründe für ein agiles Vorgehen: Kurze Spezifikationsphasen, schnelle Teilerfolge bei wandelnden Anforderungen und flexible Reaktionsfähigkeit. Dabei muss auch nicht der ganze Baum umständlich über eine Leiter leer geerntet werden; es reicht vielmals schon der Griff nach den Früchten, die uns bereits entgegen ragen. Daher gilt insbesondere für Vorhaben im öffentlichen Sektor: Wagen wir gemeinsam mehr Agilität!