
Text: Peter Kalvelage & Sebastian Faust
Die EU-Verordnung zur Verpackung und Verpackungsabfällen (PPWR) verändert die regulatorischen Spielregeln für die Konsumgüterindustrie grundlegend. Erstmals wird Verpackungskonformität nicht nur berichtet, sondern zur Voraussetzung für den Marktzugang im EU-Binnenmarkt. Damit rücken belastbare, versionierte und interoperable Produkt- und Verpackungsdaten in den Mittelpunkt unternehmerischer Handlungsfähigkeit. Für CIOs und CTOs bedeutet dies: Regulatorik wird zur Architekturfrage – und damit zur strategischen Gestaltungsaufgabe.
Dieses Whitepaper analysiert die Auswirkungen der PPWR sowie angrenzender Regelwerke wie DPP, EPR und CSRD auf IT-Architekturen und Datenmodelle in FMCG-/CPG-Unternehmen. Es zeigt, warum eine isolierte Compliance- oder Reporting-Perspektive nicht ausreicht und welche typischen Anti-Patterns die Umsetzung verzögern oder verteuern.
Im Fokus stehen fünf zentrale Handlungsfelder: die Modellierung regulatorisch relevanter Datenobjekte, End-to-End-Traceability, die Reorganisation fragmentierter Systemlandschaften, eine belastbare Data Governance sowie eine strategisch ausgerichtete Investitions- und Roadmap-Planung.
Das Whitepaper liefert CIOs und CTOs einen strukturierten Orientierungsrahmen, um regulatorischen Druck in nachhaltige Architekturmodernisierung zu überführen – und PPWR-Konformität als Hebel für Effizienz, Transparenz und Wettbewerbsfähigkeit zu nutzen.
Die Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) ist eine EU-Verordnung zur Reduzierung von Verpackungsabfällen und zur Harmonisierung von Verpackungsanforderungen im Binnenmarkt. Sie regelt, welche Verpackungen in der EU in Verkehr gebracht werden dürfen, und stellt verbindliche Anforderungen etwa an Recyclingfähigkeit, Rezyklatanteile, Kennzeichnung und Wiederverwendbarkeit. Die Verordnung ist seit dem 11.02.2025 in Kraft und ab dem 12.08.2026 verpflichtend anzuwenden . Bei Verstößen drohen nationale Sanktionen, einschließlich Bußgeldern, Vertriebsverboten oder Rückrufen nicht konformer Produkte.
Der digitale Produktpass (Digital Product Passport, DPP) ist ein digitales Informationssystem. Es sammelt alle wichtigen Daten zu einem Produkt über seinen gesamten Lebenszyklus. Dazu zählen zum Beispiel Informationen über Materialien, Herkunft, Reparierbarkeit, CO₂-Fußabdruck und Recyclingmöglichkeiten. Ziel ist es, Transparenz in Lieferketten zu schaffen und die Kreislaufwirtschaft zu fördern. Der Produktpass ist Teil der EU-Ökodesign-Verordnung und wird schrittweise für verschiedene Produktgruppen eingeführt. Verbraucher, Unternehmen und Behörden können die Daten meist über QR-Codes oder digitale Plattformen abrufen.
EPR (Extended Producer Responsibility) bedeutet „erweiterte Herstellerverantwortung“ und beinhaltet, dass Hersteller dafür verantwortlich sind, was mit ihren Produkten am Ende des Lebenszyklus passiert. Zum Beispiel bei Rücknahme, Recycling oder Entsorgung. Ziel ist es, Abfall zu reduzieren und Recycling zu fördern, indem Unternehmen stärker in die Verantwortung genommen werden. Hersteller müssen sich registrieren, Mengen melden und Gebühren für Recycling-Systeme zahlen. EPR wird in der EU unter anderem für Verpackungen, Elektronikgeräte und Batterien angewendet.
Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) ist eine EU-Richtlinie, die Unternehmen verpflichtet, umfassend über ihre Nachhaltigkeitsleistung zu berichten. Sie erweitert die bisherigen Anforderungen deutlich und umfasst Themen wie Umweltwirkungen, soziale Verantwortung und Unternehmensführung (ESG). Das Ziel ist, mehr Transparenz und Vergleichbarkeit für Investoren, Kunden und Öffentlichkeit zu schaffen. Die berichteten Informationen müssen künftig standardisiert, nachvollziehbar und prüfbar sein. Dadurch wird Nachhaltigkeit stärker in Strategie, Prozesse und Datenmanagement von Unternehmen integriert.
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