
Deutschland erlebt tiefgreifenden Wandel: geopolitische Instabilität, Digitalisierung, demografischen Umbruch, Fachkräftemangel. In unseren Projekten begegnen wir täglich diesen Herausforderungen. Struktur- und Rollenveränderungen sind essenziell für erfolgreiche Transformationen. Doch ebenso wichtig ist es, die sozialen Dynamiken des Change nachvollziehbar und gestaltbar zu machen. Eine wirkungsvolle Methode dafür ist ein Soziodrama. In einem Studierendenprojekt haben wir sie getestet und wertvolle Erkenntnisse für unsere Beratungspraxis gewonnen.
Soziodrama ist eine erlebnisorientierte Methode, mit der Gruppen soziale Konflikte und Positionen in Form eines improvisierten Rollenspiels reflektieren. Teilnehmende erleben verschiedene Perspektiven und entwickeln Lösungen für komplexe Herausforderungen. Dabei steht kollektives Lernen im Mittelpunkt – im Gegensatz zu Business-Aufstellungen, die stärker auf organisatorische Fragestellungen fokussiert sind.
Führungskräfte müssen in einer sich stetig wandelnden Welt empathisch handeln und Teamdynamiken stärken. Hier setzt das Soziodrama an: Es macht soziale Dynamiken sichtbar, eröffnet neue Perspektiven und ermöglicht innovative Lösungen.
Gemeinsam mit drei BWL-Studentinnen der TH Ingolstadt habe ich die Methode für unsere Change-Consultants über drei Monate hinweg erschlossen. Sie unterstützten uns bei der methodischen Aufbereitung, der Konzeption eines Pilot-Workshops und einer Umfrage zur Relevanz von Soziodrama. Unsere zentrale Erkenntnis: Soziodrama kann Transformationen nachhaltiger und erfolgreicher machen.

Teilnehmende schlüpfen in verschiedene Rollen, etwa als Führungskraft oder Teammitglied. Diese Perspektivwechsel stärken das gegenseitige Verständnis, fördern Konfliktlösungen, Empathie und kreative Entscheidungen. Die Methode wirkt besonders intensiv, weil Rollen nicht nur gespielt, sondern emotional erlebt werden.
Bei einem Soziodrama profitieren Führungskräfte in vielerlei Hinsicht:
Ziel unseres Projekts war es, einen praxisnahen Leitfaden zu entwickeln. Der Weg dorthin umfasste fünf zentrale Schritte:
Ein Soziodrama ist vor allem eins: lebendig und praxisnah. Doch wie genau läuft eine solche Sitzung ab? Folgende Szenarien haben wir getestet:
Weitere Szenarien finden Sie in unserem Leitfaden, den Sie sich als PDF herunterladen können.

Führungskräfte suchen Ansätze, die Kopf und Herz verbinden – genau das leistet ein Soziodrama.
Unser Projekt zeigt: Soziodrama hilft Führungskräften, die Herausforderungen der modernen Arbeitswelt mit Kopf und Herz zu meistern. Wir hoffen, dass unsere Arbeit dazu beiträgt, diese Methode bekannter zu machen und Führungskräfte dazu ermutigt, neue Wege zu gehen. Denn wahre Führung beginnt dort, wo wir nicht nur entscheiden, sondern auch fühlen und verstehen.
Wir bedanken uns herzlich bei Jenny Hackstetter, Sophia Wirth und Violetta Repp für die Unterstützung sowie bei Dr. Alfred Quenzler, Professor für Internationales Personal- und Organisationsmanagement an der TH Ingolstadt, für die wissenschaftliche Begleitung.
Kerstin Findeisen ist seit über 20 Jahren in Change-Management-Projekten tätig. Sie ist Mental Trainerin und Systemische Organisationsentwicklerin.

Erfahren Sie mehr über die Methode, Potenziale und Anwendungsfälle.