Glücklich auf der Arbeit
Glücklich sein und bleiben

Positive Psychologie im Business-Kontext

Worum geht es im Leben wirklich? Glück? Geld? Wirkung? Und was hat das eigentlich mit Unternehmensberatern zu tun? Und wie kann man Positive Psychologie in Organisationen so einsetzen, dass sie Mehrwerte schafft?
Unsere Consultants Simon Hagemann und Christian Sage geben Aufschluss.

Was hat es mit Positiver Psychologie (also Glücksforschung) auf sich?
Viel zu häufig halten wir uns im Leben an die Faustformel Glück, Geld und Wirkung. Dabei steht die Maximierung in den Dimensionen Einkommen und Wissen meist im Vordergrund. Die Klischees eines Unternehmensberaters zahlen hierauf ein: Dauerhaft kritisches Hinterfragen, Suchen, Finden und Lösen von Problemen, Optimierung, Veränderung und Profitmaximierung beim Klienten stehen im Fokus. Berater können aber dennoch rundum glücklich sein.

Die psychologische Forschung hat sich bis zum Ende der 90er Jahre fast ausschließlich mit den negativen Aspekten des menschlichen Lebens auseinandergesetzt. Der Hauptgrund hierfür ist, dass die Psychologie als wissenschaftliches Forschungsgebiet stark von staatlichen Geldern abhängig ist. Die Gelder flossen nach dem 2. Weltkrieg also in die Behandlung von psychischen Leiden als Folgen der Kriegszeit. Vergessen wurden dabei die Menschen, die im Großen und Ganzen zufrieden mit ihrem Leben sind. Die Positive Psychologie befasst sich nicht mit krankheitsorientierter Forschung. Der Fokus liegt auf dem Wohlbefinden der Menschen und dessen nachhaltiger Vergrößerung. Bisher bewiesen wurde:

  • Dankbarkeit ist von fundamentaler Bedeutung für das persönliche Wohlbefinden.
  • Materielle Faktoren wie Wohlstand oder gesellschaftlicher Status sind langfristig nicht entscheidend für das persönliche Glück.
  • Die Beziehung zu anderen Menschen ist von monumentaler Bedeutung für das persönliche Wohlbefinden.
  • Glück ist erlernbar. Man kann sich Glück erarbeiten und es ist keine Frage des Schicksals.

Wichtig ist hierbei: Ohne Trauer gibt es auch kein Glück. Negative Emotionen zu leugnen, führt auf Dauer paradoxerweise gerade zu negativen Emotionen, da man die Chance verfehlt, diese Empfindungen zu verstehen und sich daraus weiterzuentwickeln.

Wie kann man dies für den Berufsalltag nutzen? Sowohl als Mitarbeiter als auch als Führungskraft?
Wie heißt es so schön: „Motivation lässt dich loslegen. Die Gewohnheit lässt dich weitermachen.“ (Jim Rohn). Demnach sind für die Nutzung der Positiven Psychologie die folgenden Elemente unablässig: Gewohnheit, Willenskraft, Selbstreflektion und Achtsamkeit.
Das Ziel ist eine positive Grundeinstellung als Gewohnheit zu etablieren. Dies funktioniert nur, wenn wir unsere Willenskraft trainieren und uns mit Hilfe der Neuroplastizität Schlüsselgewohnheiten aneignen. Sind diese etabliert fällt uns die Reproduktion des Glücks durch tägliche Selbstreflektion wesentlich leichter, da wir keine limitierte Willenskraft für das Positive aufbringen müssen. Menschen mit qualitativ hochwertiger Selbstreflektion planen besser, sind disziplinierter und fokussierter, gehen besser mit Emotionen um, treffen fundierte Entscheidungen und sind in der Lage, Probleme besser zu antizipieren.
Durch Etablierung der positiven Grundeinstellung als Gewohnheit und Reproduktion des Glücks durch tägliche Selbstreflektion gelangt man (nahezu automatisch) zur mehr Spaß und Sinn im Leben, ergo der Glücksmaximierung.

Dazu gehört auch loslassen und abgeben können, um die Welt mit neuen Augen bewusst wahrzunehmen. 
Für Stresssituationen heißt das konkret: Augen schließen und Atem fließen lassen. Anschließend 2-3 Minuten lang nichts tun, außer das Geschehen zu beobachten. Diese Übung bietet sich auch wunderbar als Schlüsselgewohnheit für entsprechende Situationen an.

Simon Hageman, Consultant, Cassini Consulting

Menschen mit qualitativ hochwertiger Selbstreflektion planen besser, sind disziplinierter und fokussierter, gehen besser mit Emotionen um, treffen fundierte Entscheidungen und sind in der Lage, Probleme besser zu antizipieren.

Simon Hageman, Consultant, Cassini Consulting

Was macht euch persönlich glücklich?
Simon Hageman:
 Ich gehe aufmerksam und mit offenen Augen durch mein Leben und sehe dadurch viele schöne, positive aber auch negative Dinge. Ich habe die ehrliche Freundlichkeit und Offenheit zu meinen Mitmenschen als meine eigene Gewohnheit etabliert und verfüge dadurch über mehr „Willenskraftkapazität“ für die Herausforderungen des Lebens und des Jobs. Glücklich macht mich die (häufig unerwartete) Reaktion zu meinem freundlichen Wesen. Zudem habe ich mir feste Rituale wie das Espressotrinken und Rennradfahren erarbeitet, die ich achtsam genieße und mich dadurch Tag ein, Tag aus glücklich machen. Der Vortrag über Positive Psychologie bei den Lectures 2019 ist für mich als IT-Berater ein Perspektivenwechsel. Die Möglichkeit, mich neben meiner Tätigkeit mit diesem Thema auseinandersetzen zu können, macht mich glücklich … ich könnte immer weiter aufzählen, das macht mich erst recht glücklich!  

Christian Sage: Seit der Zeit, die ich als junger Erwachsener reisend und arbeitend in Asien verbracht habe, ist mein Blick stark auf das Hier und Jetzt gerichtet. Das bedarf inzwischen keiner besonderen Anstrengung mehr, und es schenkt mir positive wie negative Eindrücke. Vor allem die positiven „kleinen“ Erlebnisse des Alltags, zum Beispiel ein freundliches Lächeln, Sonnenschein auf dem Fußweg zum Büro meines Kunden, ein gutes Gespräch an der Kaffeemaschine oder eine gelungene Frage im Coaching, machen mich glücklich. Ihre negativen Gegenstücke liefern den Kontrast, der mir erst ermöglicht, die positiven Momente wirklich zu schätzen. In meinem Leben ist aber vermutlich noch Raum für deutlich mehr Glück. Ich habe mir vorgenommen, die Erkenntnisse der Positiven Psychologie in Zukunft nicht wie bisher nur eher zufällig, sondern ganz bewusst und gezielt für mich einzusetzen.

Wie kann eine Organisation Positive Psychologie nutzen, um erfolgreicher zu sein?
Vor allem kann eine Organisation ihre Belegschaft motivieren, die Positive Psychologie für sich zu entdecken. Dazu kann sie vor allem Informationsmaterial zur Verfügung stellen, vielleicht auch sanfte Erinnerungen. Wenn das angenommen wird, kann die Positive Psychologie dazu beitragen, dass Mitarbeiter im Unternehmen besser mit den Herausforderungen des Alltags zurechtkommen und widerstandsfähiger gegen den damit verbundenen Stress werden. Außerdem sind positiv gestimmte Menschen kreativer, was gerade für „Knowledge Worker“ ein wesentlicher Produktivitätsfaktor ist.
Gleichzeitig wird spürbar, dass dem Unternehmen am Wohlergehen seiner Angestellten gelegen ist. Das dürfte dazu beitragen, dass Bindungen ans Unternehmen gestärkt werden. Wichtig ist uns aber, dass es bei Anstößen und Unterstützung bleibt. Zwang oder auch nur Druck wirkt einer positiven Grundhaltung diametral entgegen und wäre deshalb total fehl am Platz.

Interview mit
Simon Hageman, Consultant, Cassini Consulting
Simon Hageman
Consultant
Christian Sage, Management Consultant, Cassini Consulting
Christian Sage
Senior Management Consultant
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