Michael Jüdiges, CEO von Connectivity Solutions
Interview

Interview mit Michael Jüdiges, CEO von Connectivity Solutions

Im Interview mit Michael Jüdiges sprechen wir über die Angst vor Kontrollverlust, notwendiges Vertrauen und den Schlüssel erfolgreicher Zusammenarbeit auf Plattformen.

Michael, ihr bietet bereits eine technische Plattform an und habt über 30 Produkthersteller in einer Allianz vereint. Was war aus deiner Sicht die größte Herausforderung beim Aufbau der Allianz?
Die größte Herausforderung bestand darin, mit dem „Not-Invented-Here-Syndrom“ zu arbeiten bzw. damit umzugehen, denn die Abgabe der eigenen Autonomie an die Plattform geht oft mit einem Gefühl des Kontrollverlustes einher. In diesem Kontext musste man gegenüber den Partnern eine Menge Vertrauen und Authentizität aufbauen. Es war wirklich schwer den Partnern zu vermitteln, aus welchem Grund dieser vermeintliche „Kontrollverlust“ beim Aufbau der Plattform notwendig ist. Als Tochterunternehmen einer der Hersteller, der Teil dieser Plattform sein sollte, mussten wir zudem unsere Unabhängigkeit auch gegenüber unserer Mutter glaubhaft vermitteln. Die Vermittlung dieser „Diskriminierungsfreiheit“ war extrem zeitintensiv.

Sprechen wir über die technische Lösung. WiButtler bietet eine technische Plattform an - ist das aus eurer Sicht der Schlüssel zu einer erfolgreichen Zusammenarbeit auf der Plattform? Wie werden die Mitglieder motiviert, mit und an der Plattform zu arbeiten?
Ganz wichtig ist, dass technische Plattformen aus infrastruktureller Sicht heutzutage kein Hexenwerk mehr sind. Wichtig dagegen ist die Business Intelligence, die auf der Plattform stattfindet. In unserem Fall ist es die Orchestrierung von Applikationen, die herstellerübergreifend sind und die daraus Mehrwerte generieren. Dies sind beispielsweise verschiedene Geräte, die im Gebäude miteinander kommunizieren können. Daraus resultieren Komfortgewinne, Effizienzsteigerungen und Sicherheitsgewinne. Solche Gewinne kann ein Hersteller, in der Regel, nur allein mit seinem Portfolio nicht erreichen. Durch die Orchestrierung der Geräte und Applikationen bieten wir als wibutler also an, eine herstellerübergreifende Business Intelligence gemeinsam aufzubauen. Die Generierung von Mehrwerten ist es, was die Hersteller motiviert, mit uns zusammen zu arbeiten.

Daraus sehen die Hersteller auch Chancen, die Funktionalitäten der Plattform auf ihr Produktportfolio zu adaptieren. Zumindest was die nachgelagerte Marktbearbeitung angeht. Die Funktionalitäten der Plattform werden zu einer Kernfunktionalität des Produktes, die sich aber nur durch die Verfügbarkeit des Produktes auf der Plattform ergeben. Dies ist natürlich stark erklärungsbedürftig. Die Business Intelligence der Plattform, die sich durch die Orchestrierung und Interoperabilität ergibt, muss man dem Partner einfach erklären und begreifbar machen können. Diese ist aber auch am Ende das, was die Partner zur Zusammenarbeit motiviert und sie dazu treibt, diese zu fördern und aktiv zu gestalten.

Nehmen wir einmal an, dass eine reine Plattformlösung bereits etabliert ist und keine Herausforderung mehr darstellt. Welche Geschäftsmodellansätze sind sowohl für den Hersteller als auch den Betreiber im Immobilienumfeld interessant?
Die Hersteller bekommen über die Produkte, die Orchestrierung und die Interoperabilität Mehrwerte, die sich durch die Nutzung der Plattform auf das Produkt übertragen lassen. Die Mehrwerte, die sich aus der Regelung und Steuerung ergeben, kann man sonst nur mit sehr ressourcenintensivem Aufwand, sei es finanzieller oder zeitlicher Natur, selbst aufbauen. Durch die Nutzung einer Plattform im SaaS-Modell (Software-as-a-Service) sind diese Informationen sehr günstig und mit wenig Risiko zu erheben.

Neben einer rein funktionalen Plattformnutzung kann diese auch als komplettes Infrastrukturbackend genutzt werden. Dies ist gerade für kleinere Hersteller interessant. Diese haben, in der Regel, keine großen Cloud- oder IoT-Abteilungen und bekommen durch die Plattform ein komplett gemanagtes IoT-Backend dazu. Damit reduzieren sie den eigenen Ressourcenaufbau und das Stakeholdermanagement, da sie auch keine Agenturen brauchen, die sich für sie darum kümmern. Man spart also Ressourcen- und Entwicklungsaufwendungen. Dies ist aus Sicht der Wohnungswirtschaft ein klarer Vorteil. Nach dem heutigen Stand bedarf die Nutzung einer digitalen Gebäudetechnik einen sehr hohen Stand der Systemintegration. Dies resultiert aus einer hohen Anzahl an Angeboten von Produkten und Schnittstellen, die wiederum sehr heterogen sind. Dadurch ist die Integration in das eigene Geschäft sehr aufwendig und erfordert einen sehr hohen Ressourceneinsatz.

Bei einer Plattform wie WiButtler bekomme ich dies als Kunde vollständig aggregiert und standardmäßig zur Verfügung gestellt. Das bedeutet für mich als Kunde, auf einmal bekomme ich über eine standardisierte Schnittstelle über 30 Hersteller und 250 Applikationen zur Verfügung gestellt, deren Umfang und Möglichkeiten stetig wachsend ist. Dies reduziert den Implementierungsaufwand und erhöht die Einfachheit der Wartung. Dies ist einer der Hebel und auch der Hindernisse, warum sich die Wohnungswirtschaft so schwertut, in die Plattformökonomie einzusteigen.“

Dieses Interview führte
Stephan Dufhues, Management Consultant, Cassini Consulting AG
Stephan Dufhues
Senior Management Consultant
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